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Codewort Trapp
7. Juni 2003
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| Mission: Sound of Music Sing-a-long
Bild: SN/fox/mike/teresa |
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Von einer unerschrockenen FRITZ-Mitarbeiterin, die
undercover in London dem Mythos Sound of Music nachging
und eine Sing-along-Show besuchte.
"Sound of Music" zählt weltweit zu den
erfolgreichsten und beliebtesten Musicals. In unseren
Breiten so gut wie unbekannt, versetzt es Menschen auf
der ganzen Welt in wahre Begeisterungstürme.
Wo auch immer in London ich mich befinde, sobald ich
meinen Heimatort preisgebe, drehen die Menschen durch.
Sei es die mich aus heiterem Himmel umarmende Holländerin,
die mir mit Tränen in den Augen beteuert, Sound
of Music sei ihr "all-time favourite" oder
die New Yorkerin, die plötzlich zu Singen beginnt
und mir erklärt, dass dieses Musical zum weihnachtlichen
Pflichtprogramm ihrer Familie gehört - sie alle
sind dank Salzburg in Technicolour ein bisschen glücklicher.
Doch woher kommt diese fast schon übernatürliche
Begeisterung? Ist Sound of Music gar ein Meisterwerk,
das von uns Kulturbanausen verkannt wurde?
Für alle die gar nichts über dieses wunderbare
Musical wissen: Die Sound-of-Music-Verfilmung von Robert
Wise basiert auf der Musicalversion von "Die Trappfamilie".
Dieser Film, einer der erfolgreichsten der deutschen
Nachkriegsgeschichte, ist wiederum eine Verfilmung der
Autobiografie der Baroness Maria von Trapp.
Der Film aus dem Jahr 1965 wurde für 10 Academy
Awards nominiert und gewann 5 Oscars, darunter "Best
Picture". Die Hauptrollen werden von Julie Andrews
(auch bekannt als Mary Poppins) und Christopher Plummer
besetzt.
Julie Andrews verkörpert Maria, eine junge Salzburger
Novizin, deren Leidenschaft es ist, zu singen. Sie wird
zu Kapitän von Trapp (Christopher Plummer) geschickt,
um als Kindermädchen auf seine sieben Kinder Brigitta,
Gretl, Friedrich, Kurt, Liesl, Louisa und Marta aufzupassen.
Doch zurück zu meinem Auftrag. Um das Rätsel
zu lösen beschließe ich, mich in die Höhle
des Löwen zu wagen: "Sound of Music Sing-a-long"
nennt sich die Veranstaltung für alle eingefleischten
Fans im Londoner Prince Charles Cinema. 13.50 Pfund
kostet der Spass, im Internet hab ich mich schon vorab
informiert wie das so abläuft. Von einem Verkleidungswettbewerb
ist die Rede, Bilder von fröhlich singenden Nonnen
sind zu finden. Na, das sieht doch schon mal vielversprechend
aus.
Gespannt mache ich mich auf den Weg. Vor dem Kino erwarten
mich weder Lederhosenträger noch naughty Nonnen.
Na gut, die Hardcorefans sind sicher schon eine halbe
Stunde früher da und warten auf ihren großen
Auftritt.
Als ich den Kinosaal betrete, wird mir ein geheimnisvolles
Plastiksackerl in die Hand gedrückt. Der Inhalt:
Ein Stück Stoff, eine Einladung, drei Plastikarten,
ein Partypopper und noch einige nützliche Dinge
mehr.
Aufgeregt platziere ich mich in meinem breiten Kinosessel.
Ich habe beschlossen, meine Identität nicht preiszugeben,
um Massenpanik zu vermeiden. Man kann ja niemals vorsichtig
genug sein, die Briten sind ja für ihre Hysterie
bezüglich Stars bekannt.
Ich sehe mich um. Das Publikum scheint gutgemischt,
vom 08/15 amerikanischen Touristen bis zum alteingessenem
Londoner scheint alles dabei zu sein.
Ein paar Besucher haben sich sogar verkleidet. Wahlweise
in zünftigen Lederhosen oder als Nonnen.Wir werdem
von einer völlig überdrehten jungen Frau begrüßt,
die uns erklärt, was wir mit dem mysteriösen
Inhalt unseres Sackerls anzufangen hätten. Jedes
Teil soll in einer bestimmten Szene verwendet werden,
quasi interaktive Zuschauereinbindung.
Ich bin ja im Grunde genommen kein Fan von lautem Singen
und Tanzen während einer Filmvorstellung, aber
heute, heute ist alles anders. Ich habe einen Aufklärungsauftrag
der wahrgenommen werden will. Darum gebe ich mir Mühe,
versuche die Songs probeweise mitzusingen und fuchtle
mit den Plastikkarten herum. Ist ja alles eigentlich
gar nicht so schwierig.
Die Stimmung ist gut,die Meute bereit für mehr.
Weiter gehts mit dem Sound-of-Music-fancy-dress- Wettbewerb.
Gerade mal ein Kandidat gibt sich zu erkennen (oder
besser gesagt drei). Ein kleiner Junge in (vermutlich
original) Lederhose plus Eltern in braunen Papiersackerln
(?).
Im Großen und Ganzen eine recht unspektakuläre
Verkleidung und wenn ich mir vorstelle wie das arme
Kind in der U-Bahn angestarrt worden ist - im Grunde
genommen ein Fall für das Jugendamt.
Dem unfreiwilligem Salzburger ist sein Auftritt sichtlich
peinlich, aber als er dann Standing Ovations vom Publikum
bekommt, grinst er doch vor sich hin.
Dann endlich der große Augenblick, Sound of Music
beginnt. Die Kamera fängt eine atemberaubende Alpenlandschaft
ein, ein Gebirgssee, dann Zoom auf eine Wiese inmitten
der Berge und da ist sie, strahlend wie ein Honigkuchenpferd,
Julie Andrews alias Maria, mitten auf dem Untersberg
und fröhlich singend. "The hills are aliveeeeeeeee....".
Die Amerikaner neben mir erheben sich und stimmen mit
ein. Ich habe Probleme mitzuhalten. Ich könnte
zwar den Text am Bildrand mitlesen, doch ich bin viel
zu fasziniert von dem Schauspiel, das sich mir bietet.
Um mich herum die singende Menge und vor mir das Kitschmanifest
schlechthin.
Meine Studienkollegin Hanna aus Finnland, ansonsten
eher ein kühles Nordlicht, ist auch inbrünstig
bei der Sache. Und liegt es an mir oder am Bier, nach
gut einer Stunde bin ich einer von ihnen, ich singe
mit und so etwas wie Heimatstolz macht sich in mir breit.
Ich werd jetzt nicht alles verraten, denn eventuell
zieht es ja jemand in Erwägung sich im Falle eines
London-Besuches den Spass zu machen und sich das anzusehen.
Zu Empfehlen ist es, denn nach insgesamt vier Stunden
(inklusive Verschnauf- und Trinkpause) singen, zittern
und lachen mit Maria und Salzburg verlasse ich voller
Heimweh das Kino.
#teresa
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